Konditionstest beim Stadtwerke-Lauf

erstellt von Flensburger Tageblatt

Sportliches Gedränge beim Start am Trögelsbyer Weg. Mit der Startnummer 138 (Mitte) war auch die Tageblatt-Autorin dabei. Foto: Marcus Dewanger

Vom Kids-Rennen bis zum Halbmarathon: Knapp 400 Sportler von 4 bis 78 Jahren gingen an den Start. Wir schildern Eindrücke von der 10 km-Strecke.

Flensburg. Endorphine sollen ja Wunder bewirken können. Runner’s High (zu deutsch: Läuferhoch) nennen Sportwissenschaftler das Phänomen, wenn Langstreckenläufer plötzlich keinen Schmerz mehr spüren und das Gefühl haben, noch ewig weitertraben zu können. Soweit die Theorie. Und vielleicht für manche Teilnehmer der dritten Auflage des Stadtwerke-Laufs eine Art Strohhalm, an den man sich klammerte - denn der lange, kalte Winter hat den Start der Laufsaison stark verzögert. Draußen trainieren bei Schneematsch und eisigem Wind? Wenig verlockend. Zumindest für mich. Aber die Anmeldung für die zehn Kilometer stand - und der Sportsgeist ist größer als der innere Schweinehund.

Der Blick aufs Thermometer lässt hoffen: Fast zehn Grad, Tendenz steigend. Beste Voraussetzungen. Rund um den Startpunkt am Sky-Markt Trögelsbyer Weg tummeln sich Läufer und Zuschauer. Startnummern werden befestigt, Entscheidungen getroffen, ob die Jacke nun anbleiben soll oder ob man sich auf die ersten warmen Sonnenstrahlen verlässt. Rund 300 Sportler hatten sich im Vorfeld für die verschiedenen Distanzen angemeldet, rund 80 Nachmeldungen trudeln gestern Morgen noch beim Veranstalter Triple Events ein, was die Organisation auf den Prüfstand stellt und für so manche Verzögerung sorgt.

Minis sprinten 400 Meter

Doch das alles geht an den Jüngsten vorbei. Nochmal tief in die Knie gehen - und dann auf der Stelle hüpfen. Professionelles Aufwärmen an der Startlinie zum 400-Meter-Lauf der unter Siebenjährigen. Einer kleinen Nachwuchssportlerin wird nun doch mulmig zumute. Sie bricht in Tränen aus und will lieber auf Mamas Arm. Nur wenige Minuten nach dem Startschuss sprinten alle Minis mit stolzer Brust über die Ziellinie, sodass die noch viel stolzeren Eltern mit dem Fotografieren kaum hinterherkommen.

Nachdem auch die Fünf-Kilometer-Läufer gestartet sind, steigt mein Adrenalinpegel. Lieber die Schuhe nochmal neu schnüren und prüfen, ob die Doppelschleife wirklich hält. Zwischen den ganzen professionell wirkenden Sportlern im Startbereich fühle ich mich etwas fehl am Platze. Als diese dann auch noch über ihre angestrebten Zeiten fachsimpeln, machen sich bei mir erste Sorgen breit, dass ich eventuell die rote Laterne ins Ziel trage. Aber wer sich fast täglich radelnd den Friesischen Berg hochquält, muss doch ein bisschen Kondition haben, denke ich. Und dann ist da ja noch die Hoffnung auf das Runner’s High.

Motivationsschub macht Seitenstiche vergessen

Auf dem ersten Kilometer überholt mich gefühlt das komplette Starterfeld. Das geht ja gut los. Die Rundkurs-Strecke führt durch das Landschaftsschutzgebiet Weesries, landschaftlich attraktiv und trotz des Tauwetters in erstaunlich gutem Zustand. Nur eine Schneewehe mussten die Organisatoren noch wegschaufeln, verrät Ludwig Kiefer. Am Streckenrand haben sich nur wenige Zuschauer positioniert. Doch dass ein kleines Mädchen mit einer Ratsche bei Kilometer 6, als sich leichte Seitenstiche bemerkbar machen, so motivierend sein kann, hätte ich nie gedacht. Ihr Anfeuern bewirkt, dass ich die Zähne zusammenbeiße und zum Überholen ansetze. Immerhin sind auch die Halbmarathonläufer mit uns gestartet. Diese laufen den Rundkurs zweimal - und wohl mit entsprechend gemächlicherem Tempo.

Die Entscheidung gegen die Jacke war genau richtig. Um mich herum zerren sich viele Läufer die dicke Schicht vom Körper und stöhnen über die Wärme. Als die Strecke in den Weesrieser Wald führt, verstummt plötzlich das dumpfe Dröhnen der Läuferschritte auf dem Boden. Und die Gelenke freuen sich über den federnden Waldboden. Vor mir halten zwei Herren mit Trikots vom Flensburger Lauftreff Klönschnack und ich erfahre, dass wir 44 Minuten unterwegs sind. Mein Ziel, unter einer Stunde zu bleiben, ist also noch machbar. Der Wind weht bereits den Lärm vom Zielbereich herbei. Das gibt Kraft für den Schlussspurt.

Und spätestens, als die jubelnden Zuschauer auch in Sichtweite geraten, laufen die Beine plötzlich wie von selbst. Nach gut 55 Minuten geht es über die Ziellinie - immerhin Platz 22 und somit vorderes Mittelfeld. Nach einem ordentlichen Schluck Wasser und einer Banane am Verpflegungsstand hat sich mein Puls wieder abgesenkt. Na bitte, es geht doch, liebe Endorphine. 

zurück